Achtsam Sein im Hier und Jetzt

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Teil 1

Achtsamkeit - ein vielbenutztes Wort in den letzten Jahren. In einer Zeit, die sich selbst zu überholen scheint, in der Schnelligkeit und Vielfalt mehr bedeuten als das Einzelne und die Ruhe, wird das Bedürfnis nach Bewusstheit, nach einem Stopp in der Geschwindigkeit, nach einem Parkplatz auf der Schnellbahn der Zeit, immer größer.

Wir fühlen uns innerlich ausgebrannt und hohl, weil wir auf der Oberfläche gleiten, rasen, uns treiben lassen wie ein Puck auf dem Eis. Unter uns könnten die geheimnisvollen Städte der Atlanten strahlen, doch wir rasen darüber hin, mit dem Blick auf dem Handy, der Uhr und dem übernächsten Ziel.
Wir hetzen und glauben, wenn wir nur schnell genug leben, dann würden wir uns eines Tages "angekommen" fühlen. Wir hoffen, "genug" zu sein, wenn wir viel tun, "in" zu sein wenn wir alle Trends im Blick behalten, alles gecheckt und gelesen haben.
Doch wir sind nicht nur "Außen", nicht nur Leistung, Verantwortung und Orientierung an anderen. Der weitaus größere Teil von uns liegt in unserem "Inneren". Dort sind wir intuitiv, gefühlvoll, können Gänsehaut bekommen, wenn wir ein berührendes Gedicht lesen oder schöne Musik hören. Dort sind wir weise und gelassen, vorausgesetzt, wir nehmen uns die Zeit.

Wenn wir den Moment bewusst beachten, ihm die Chance geben, sich vor unseren Augen zu entfalten, dann bringen wir unsere eigenen inneren Geheimnisse zum Wachsen und Blühen. Dann fühlen wir uns erfüllt, geborgen und berührt. Wir fühlen uns weder allein noch unsicher, sondern verbunden mit der Oberfläche und genauso den tiefen Geheimnissen darunter. 

Und wie kommen wir nun hinaus aus der Hetze des Alltags und hinein in die Tiefe des Augenblicks?

  • Das gelingt mit der Erfahrung des achtsamen Augenblicks, der Wahrnehmung und des bewussten Seins im Hier und Jetzt.

Teil 2
Achtsam im Augenblick, zum Beispiel im Wald

Ich kann aus vielen guten Gründen durch den Wald gehen: um gesund zu bleiben, frische Luft zu tanken, Bewegung zu bekommen, Sorgen zu vergessen, Stress abzubauen, Kalorien zu verbrennen und natürlich um die Natur zu genießen.
Wenn ich gehe, bewegen sich die Bäume neben mir, langsam an mir vorbei. Sie verschwinden dort, wo ich gerade herkomme.
Die Bäume etwas weiter entfernt, bewegen sich langsamer, als wären sie müder, verschwinden gemütlicher hinter mir.
Die Bäume ganz hinten bewegen sich sehr gemächlich, verschwinden ganz allmählich, als würden sie mit Abstand und Würde dahinziehen.
Wenn ich gehe, bewege ich mich durch den Wald hindurch, bin aktiv. Ich mache Geräusche mit meinen Schuhen auf dem Boden, dem Rascheln der Jacke, dem Sirren des Schlüssels in der Tasche.
Solange ich gehen, nehme ich die Bewegungen um mich herum weniger wahr als meine eigenen.

Wenn ich stehenbleibe, stehen auch die Bäume still. Dafür bemerke ich die Bewegung der Blätter, der Gräser, der Pflanzen um mich herum. Ich sehe den Kleiber am Buchenstamm, die Maus im Gebüsch, den Kohlweißling fliegen.
Wenn ich stillstehe, bewegt sich die Natur um mich herum. Lebendig, vielseitig, vielfältig. Ich beginne zu hören: Das leise Rauschen in den Zweigen. Das Summen von Insekten, das Rascheln der Amsel im Laub.
Wenn ich stillstehe und mich bewusst auf den Moment einlasse, beginnt sich meine Wahrnehmung auszudehnen.  Das gesamte Wesen der Waldes scheint eine Einheit zu werden. Die Architektur der hochaufragenden Stämme und der gotisch anmutenden Äste, die eine Kathedrale bilden. Der Geruch nach Luft und Blüten, nach Regen und Harz.
Das Weißgrün der Birkenstämme und Silbergrün der Flechten an den Ästen. Das knotige Gewirr aus Wurzeln im Boden, von denen sich ein paar dicke, alte, an der Oberfläche zeigen.
Wenn ich stehe, spüre ich den warmen Hauch auf der Haut die Ströme von Luft Meine Füße nehmen den weichen Boden wahr, durch Moos oder Matsch gefedert, die Steine und Wurzeln. Mein Körper nimmt die Neigung des Weges wahr, den Ausgleich meiner Füße, um gerade zu stehen.
Wenn ich stehenbleibe und achtsam bin, nehme ich viel mehr wahr als die einzelnen Bewohner des Waldes. Mein Da-Sein verbindet sich mit dem lebendigen Sein um mich herum. Ich nehmen mich als Teil des Ganzen wahr. Als das Ganze, in Form von Wald und Lufthauch und Vogel. Dafür brauche ich keine Definitionen, Namen und Erklärungen. Ich darf vergessen, wie der Baum auf botanisch heißt, welcher Stein hell neben meinen Füßen glänzt oder wie der Weg heißt, auf dem ich stehe.
Namen sind Etiketten, die der Wald nicht braucht. Sie dienen nicht der Achtsamkeit, sondern den Gedanken.

Um achtsam zu sein, brauchen wir keine Gedanken. Achtsamkeit lebt vom bewussten "Da-Sein". Von der Wahrnehmung ohne Beurteilung. 
Auch die Beurteilung ist ein Etikett. Gut, schlecht, schade, schön oder störend, das alles sind Beurteilungen. Sie ziehen uns aus der Achtsamkeit in die Gedankenwelt. 
Es geht auch nicht ums "Genießen". Denn wenn wir den den Aufenthalt im Wald "schön" finden und ihn genießen, empfinden wir jedes Flugzeug, jedes Auto im Hintergrund als störend. 
Legen wir den Anspruch ab, beim Achtsam-Sein müsste alles angenehm sein. Auch Autos und Flugzeuge sind ein Ausdruck des Lebens in all seinen Formen. Sobald wir aufhören, uns an ihnen zu reiben, sie zu verurteilen, hören unsere Gedanken auf und wir sind allein im Moment. 

Natürlich können Gedanken aus auch helfen, uns einzufinden in den bewussten Moment. Solange es noch nicht in Fleisch und Blut übergegangen ist, einfach da zu sein, können Gedanken wie "Ich bin bewusst im Hier und Jetzt. Ich nehme einfach wahr, wie das Leben sich äußert", uns helfen, aus der Gedankenflut in die Achtsamkeit hinein zu kommen. 

"Der intuitive Geist ist ein heiliges Geschenk und der rationale Verstand ein treuer Diener. Wir haben eine Gesellschaft erschaffen, die den Diener ehrt und das Geschenk vergessen hat."
Albert Einstein